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Liebe
Freunde,
Liebe Freunde,
in diesem März lag die ganze Talmulde von Kathmandu, das von den
Bergen des Himalajas umgeben ist, in einer schwarzroten Staubwolke,
welche die sichere Landung der Flugzeuge erheblich erschwerte. Sand
aus den Wüsten von Rajasthan und Baluchistan sowie Rauchpartikel
zahlreicher Waldbrände im Norden Nepals hingen über der Hauptstadt
und reizten Augen und Lungen. Die Regierung verfügt über keinerlei
Mittel, um das Feuer zu bekämpfen, das jedes Jahr in der Trockenzeit
die wertvollen, bereits stark dezimierten Wälder verwüstet.
Der maoistische Premierminister Prachanda ist nicht in der Lage, eine
Besserung der Zustände seines Landes herbeizuführen. Dafür
hat er keine ausreichende Mehrheit im Parlament, weshalb er mit seinen
Reformen nicht vorankommt. Sein Kampfgenosse Dr. Baburam Bhattarai Finanzminister
und Ideologe der maoistischen Bewegung, ist als einziger wirklich im
Einsatz und setzt zum ersten Mal eine Steuerreform im Land durch, die
ihn bei den Wohlhabenden sehr unbeliebt macht. Die Gelder aus den Einnahmen
sollen eingesetzt werden, um den Unterprivilegierten zu helfen und die
Infrastruktur des Landes nach den Zerstörungen des 12-jährigen
Zivilkrieges wieder aufzubauen. Diese Summen sind jedoch ungenügend,
und Nepal bleibt abhängig von der Gunst der "entwickelten"
Länder, die der Premierminister regelmäßig besucht,
um Geld zu erbetteln. Aber nicht nur das materielle Elend verhindert
jeden Fortschritt, sondern auch die mentale Armut der Nepalesen, die
die alte, auf traditionelle Werte gegründete Kultur ihrer Dörfer
verlassen haben, um in der Großstadt zu leben: Die korrupte Verhaltensweise,
die bei den meisten Menschen und in allen Schichten der Gesellschaft
zu finden ist, setzt der Amoralität keine Grenzen. Es geht allen
nur ums Überleben, und dies mit allen Mitteln und jeder für
sich. Man zögert nicht, Urkunden und Pässe zu fälschen
und andere zu betrügen und auszubeuten mit dem einzigen Ziel vor
Augen, auszuwandern und dann davon träumen alle, daran glauben
alle ganz fest rasch an leichtes, großes Geld zu kommen!
Ethnische Unruhen erschüttern das Land, blockieren die Wege nach
Kathmandu und verhindern die Versorgung der Hauptstadt mit den wichtigsten
Gütern. Es gibt meist kein Benzin und zu wenig Wasser; Strom gibt
es nur erst nach Mitternacht, wenn die Menschen schlafen. Die Fabriken
stehen deshalb still, und die ohnehin spärliche Industrie ist lahm
gelegt. Obwohl die Maoisten zum Ziel hatten, die Kastendiskriminierung
zu bekämpfen, bleiben jahrhundertealte Traditionen weiter am Leben:
Mädchen zwischen 20 und 30 Jahren werden von den Eltern als Gefangene
gehalten, weil sie mit jungen Männern anderer Kasten ausgehen wollen.
Nicht selten gibt der Vater einer kriminellen Bande das Photo des Jungen
mit dem Auftrag, diesen zu verfolgen und ihm Arme und Beine zu brechen.
Die dreizehnjährige Kumari aus unserer Slumschule wurde aus diesem
Grund von heute auf morgen verheiratet, ohne dass unsere Projektleiterin
Sija vorher davon erfuhr. Kumaris Schwester ist kürzlich mit einem
Mann einer "niedrigeren Kaste" durchgebrannt, und um zu verhindern,
dass die Kleine es ihr nachmachte, wurde sie mit dem ersten Besten aus
ihrer eigenen Kaste verheiratet. Die Menschenrechte werden von Gruppierungen
aller Richtungen ständig verletzt, was die Kommission für
Menschenrechte der Vereinten Nationen immer wieder streng verurteilt.
Den 4000 Bewohnern des Pathivaraslums geht es durch unseren Einsatz
gut. Die halbjährliche Vorsorgeuntersuchung der Kinder fand Anfang
April wieder statt, und wir konnten feststellen, dass die Gesundheit
der Kinder von der Einnahme der vitamin- und mineralreichen Kost, die
ihnen täglich von uns zugeteilt wird, stark profitiert. Durch Aufklärungsprogramme
über Nahrung und Hygiene, diesmal in Zusammenarbeit mit Krankenschwestern
eines nahe gelegenen Krankenhauses, bemüht Sija sich, die Mütter
zu motivieren, besser für ihre Familie zu sorgen und ihren Schülern
ein neues Bewusstsein zu geben. Auch die Kinder sind jetzt im Einsatz
und säubern zweimal in der Woche das Slumgelände, indem sie
mit Gummihandschuhen den Abfall einsammeln, der dann sortiert wird.
Trotzdem ist die unmittelbare Umgebung des Slums eine einzige Müllhalde,
und es ist schwer, die Kinder daran zu hindern, am Rande der Siedlung
zu spielen. Dort fließt der Fluss, in dem Abwasser und Exkremente
des ganzen Viertels aus den Kanalisationen landen, die wir vor 3 Jahren
gelegt haben. Alle Flüsse der Stadt dienen als Mülldeponie
und transportieren übel riechende und gefährliche Abfälle.
Neue Slums wachsen ständig an deren Ufern, von der Regierung geduldet,
die diese abstoßenden Gebiete ignoriert. 69 Slumsiedlungen gibt
es inzwischen in Kathmandu; etwa zweieinhalb Millionen Nepalesen von
den 29 Millionen Einwohnern des Landes leben in Slums.
Unter diesen Umständen ist unsere Arbeit wirklich nur ein Tropfen
in diesem "Ozean des Elends". Dessen sind wir uns bewusst,
aber sollen wir deshalb aufgeben? Immerhin bekommen über 200 Kinder
durch Ihre Hilfe eine Chance und ihre Familien ein besseres Leben. Wenn
es uns möglich ist, werden wir in Zukunft unsere Aktion auf andere
Slumgebiete ausweiten. Durch das launisch gewordene Wetter auf unserem
Planeten sind die Reisernten durch Wassermangel spärlich geworden,
und die Hungersnot steigt auch in Nepal. Deshalb denken wir schon jetzt
daran, in anderen Slums, soweit unsere Mittel es erlauben, mit Nahrung
einen Beitrag zu leisten, um die Not zu lindern, und wir hoffen, dass
Sie alle, die die Kinderhilfe Nepal so treu unterstützen, dieser
zusätzlichen Hilfe zustimmen werden.
Wir danken Ihnen von ganzem Herzen für Ihren Beistand und wünschen
Ihnen bis zum August-September alles Gute.
Ganz herzliche Grüße
Elisabeth Montet
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